Via Campesina
Soja, Sch(w)ein und Wirklichkeit
Die Fleischproduktion in Europa ist in den letzten Jahren extrem gestiegen. Gerade in Ostdeutschland wurden einige große Mastbetriebe errichtet. Und es sollen noch mehr hinzukommen. In Alt-Tellin, Mecklenburg-Vorpommern, ist eine Ferkel-Produktionsanlage geplant, in der bis zu 250.000 Ferkel jedes Jahr produziert werden sollen. In Deutschland und Europa gibt es aber gar nicht genug Futtermittel für die schnell wachsenden Tierfabriken. Ein Großteil, vor allem Soja, wird deshalb aus Lateinamerika importiert. Der Bedarf wird durch die in den letzten Jahren enorm gestiegene Produktion von Gen-Soja in Paraguay und Lateinamerika insgesamt gedeckt. Damit einher geht der wachsende Einsatz von Pestiziden, die Abholzung des Regenwaldes, Erosion des Bodens und eine extrem ungleiche Landverteilung (1% der Landbesitzer halten 70% des Landes in Paraguay). Letzen Endes zahlen dort die Kleinbäuer_innen die Zeche, die von ihrem Land vertrieben werden.
Zum internationalen, bäuerlichen Aktionstag „La Via Campesina", der jährlich am 17. April stattfindet, ist eine symbolische Besetzung des Standortes in Alt-Tellin geplant. Zu diesem Aktionstag haben sich weltweit Landlose, bäuerliche Gewerkschaften, Landarbeiter_innen und indigene Gemeinschaften organisiert. Gemeinsam treten sie für eine nachhaltige Landwirtschaft, Klimagerechtigkeit, Landreformen, freie (Arbeits-) Migration und Ernährungssouveränität ein.
Das „Barnimer Aktionsbündnis gegen Gentechnik", eine Initiative in Bernau, beteiligt sich gemeinsam mit lokalen und internationalen Gruppen an einer Kampagne gegen den Bau dieser Ferkelproduktionsanlage in Alt-Tellin. Auf verschiedenen Veranstaltungen wird über die Auswirkungen der globalisierten, industriellen Landwirtschaft, am Beispiel riesiger Mast- und Ferkelproduktionsanlagen in Europa und deren Verknüpfung mit der landwirtschaftlichen Produktion von Futtermitteln im Süden im Kontext des Gen-Soja-Anbaus in Paraguay über die jeweiligen Auswirkungen der Massenproduktion für Natur und die Bevölkerung vor Ort, informiert.
Sowohl in Alt-Tellin als auch in Paraguay wachsen die Proteste gegen diese zerstörerische, globale Landwirtschaftspolitik. Die Gruppe solidarisiert sich mit diesen Kämpfen und setzt sich für eine andere Landwirtschaft und Ernährungssouveränität weltweit ein.
Zusätzlich zu den Infoveranstaltungen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ist auch eine Fotoausstellung geplant, welche die Situation der Bäuer_innen in Paraguay und den sich dort formierenden, kleinbäuerlichen Widerstand sowie die Situation an Standorten der Massenfleischproduktion in Europa darstellt. Aktuelle Informationen zum Aktionstag und den Veranstaltungen findet ihr unter: www.dosto.de/gengruppe